Basierend auf dem aktuellen Stand der Forschung wird die für Umformprozesse maßgebliche duktile Schädigung als lokale Mikrostrukturdegradation definiert, welche parallel auf verschiedenen, vom jeweiligen Werkstoff, seinem Gefüge und den Beanspruchungsbedingungen abhängigen Skalen angesiedelt ist. Bereits im Ausgangszustand enthalten Werkstoffe eine Vorschädigung, z. B. in Form von Gussporen und nichtmetallischen Einschlüssen. Während des Umformvorgangs bilden sich aufgrund der plastischen Deformation weitere Mikroporen im Gefüge, die den Werkstoff zusätzlich schädigen. Eine weitere plastische Formänderung kann zum Wachstum der Poren bis hin zur lokalen Werkstoffdekohäsion führen. Bei Erreichen einer kritischen Schädigung, d. h. einer globalen Werkstoffdekohäsion, treten Makrorisse auf und das Bauteil versagt. Unterhalb der kritischen Schädigung liegt zwar eine Schädigung vor, aber kein Versagen. Die Bauteile werden als "Gut-Teil" bewertet. Allerdings kann sich diese Schädigung negativ auf die Ermüdungsfestigkeit (statische, dynamische und zyklische Festigkeit) des Bauteils während des Gebrauchs auswirken. Die während der Umformung entstandenen mikrostrukturellen Schädigungen bilden Ausgangsdefekte, die bei erhöhten Lastspielzahlen in Kurz- und Längsrisse übergehen können.

Verlauf der duktilen Schädigung

Die zugrunde liegenden Mechanismen der duktilen Schädigung und der Schädigungsverlauf erstrecken sich über die in der Abbildung dargestellten Skalen. Die Beschreibung der einzelnen Phänomene hängt dabei erheblich von der betrachteten Skala ab. Infolgedessen verwenden die verschiedenen Fachdisziplinen unterschiedliche Modellvorstellungen. Alle Vorstellungen haben allerdings gemeinsam, dass die finale Ausbildung eines Risses und somit das Versagen durch die Vereinigung von zuvor gebildeten Poren im Werkstoff erfolgt.